Magazin
Holy Holly
Die Sängerin Holly Golightly gastierte mit ihrer Band am Donnerstag im City Club.
Vielleicht ist es die Art, wie sie den Thekenquatschern "Shut up!" zuruft und kurz danach sehr höflich erklärt, dass sie direktes Scheinwerferlicht nicht mag und die Leute in der ersten Reihe bitte etwas aufpassen mögen, wo sie ihre Weizengläser hinstellen: "Before I get electrocuted."
Man merkt der Sängerin Holly Golightly durchaus an, dass sie geborene Britin ist, auch wenn sie schon lange in den USA lebt. Die 50-Jährige wirkt weniger wie ihre Namensgeberin - die Figur aus Truman Capotes Roman "Breakfast at Tiffanys", ikonisch verkörpert durch Audrey Hepburn -, als vielmehr wie eine singende Calamity Jane, die schon vor ihrer Einwanderung den amerikanischen Roots-Sound vollkommen verinnerlicht hat und selbst Blues-Gassenhauer wie "Further On Up The Road" nicht interpretiert, sondern lebt, zumindest erlebt zu haben scheint.
Es ist eine Kunst, in einem so traditionellen Genre so zurückhaltend und doch faszinierend zu performen, die Band - Schlagzeuger Bruce Brand, Gitarrist Bradley Burgess und Kontrabassist Matt Radford - hätte so auch schon vor über einem halben Jahrhundert auf der Bühne stehen können. Man nennt das dann wohl zeitlos.
Das Publikum im voll besetzten City Club – abgesehen von den bereits erwähnten Tresenplaudertaschen – lag Holly zu Füßen. Letztere steckten übrigens in Schuhen, die man eigentlich nur im heimischen Wohnzimmer trägt, und die Sängerin, die als Legende der Szene gilt und schon mit Jack White gesungen und Songs zu einem Film von Jim Jarmusch beigesteuert hat, bewegte sich auch nach dem Konzert durch den Club als wäre es ihr Wohnzimmer.
So etwas erlebt man nun wirklich nicht alle Tage und man ist zumindest versucht zu glauben, dass auch die Band sehr angetan war, nicht zuletzt wegen des Sounds von DJ Max Messer nach dem Gig. Der ist nämlich auch ziemlich, well, zeitlos. Beide. (flo)






