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"It's a family thing"

Happy birthday, auto.matic.music! Die Augsburger Elektro-Partyreihe feiert am Freitag 15jähriges Jubiläum...

Happy birthday, auto.matic.music! Die Augsburger Elektro-Partyreihe feiert am Freitag Jubiläum. Seit 15 Jahren bearbeiten Tobias Schmid und Stefan Sieber (v.l.) mit fein gestrickter Nadel die Tanzflächen. Walter Sianos spendierte zum Jubiläum einen elektronischen Blumenstrauß und lud die beiden Turntablemeister zum Interview.

Wenn ihr vor 15 Jahren Jungfrauen wart, was seid ihr heute?
Sieber: Großväter?
Schmid: Quatsch. Du vielleicht, ich bin ja erst vor ein paar Wochen Vater geworden.

Habt ihr euch in dieser langen Zeit schon mal in die Wolle bekommen?
Sieber: Nie!
Schmid: Nie!

Nie? Respekt. Drehen wir mal etwas die Zeit zurück. Anfang der Nullerjahre erlebte Augsburg einen regelrechten Bandboom, der Begriff Popcity machte die Runde. Wieso habt ihr damals keine Band gegründet?
Sieber: Mit zehn habe ich meine Klavierkarriere abrupt beendet und anschließend jedes Instrument verneint.
Schmid: Ich hab’ mit meinem Racket Luftgitarre gespielt, das war’s dann aber auch schon. Unsere Leidenschaft galt damals dem Tennis.

Tennis? Das passt zu euch. Ich sehe euch bildlich vor mir mit Lacoste-Polo und Stan- Smith-Schuhen auf dem Court stehen, Apfelschorle aus Martini-Gläser trinkend.
Sieber: Haha, so ähnlich. Stan Smith war ja in den 70ern. Wir sind mit Lendl, Edberg und vor allem Boris Becker aufgewachsen. Deshalb war meine Brand erst Ellesse und später Puma.
Schmid: Ich fand die Neonklamotten von André Agassi cool! Aber wir haben uns tatsächlich als Kids auf dem Tennisplatz kennengelernt. Lance von Anajo hat damals unser Trio komplettiert. Wir haben sogar noch bis in den Seniorenbereich beim TSV mitgemischt. Wir waren gar nicht so übel.

Wann ging's denn los mit der Auflegerei?
Schmid: Mit 16, erste Schulbälle und so. Da hab’ ich sehr schnell gemerkt: „Das ist es!“
Sieber: Bei mir war es ähnlich, mein erster „Job“ war in der Dreifachturnhalle in Schwabmünchen auf einem Schulfest vor 3000 Leuten. Die waren natürlich nicht wegen mir da, aber da hab ich mächtig Blut geleckt.

Ihr kommt aus Schwabmünchen. Irgendwie ist das ein richtig kreatives Biotop vor den Toren Augsburgs. Anajo, Wunderwelt, das Singoldsand Open Air - um nur einige zu nennen. Woran liegt das?
Schmid: Jeder, der in einer Kleinstadt gelebt hat, kennt das: Es ist nichts los und aus der Not heraus ist man gezwungen, selber etwas auf die Beine zu stellen, damit was geht.

Könnt ihr euch noch an eure ersten Streifzüge nach Augsburg erinnern?
Sieber: Das ging ungefähr 1990 los, wir haben mal hier und mal dort aufgelegt, Mahagoni Bar, Inbase, nix Festes...
Schmid: 1995 wurden wir dann zum ersten Mal auf einen riesigen Rave in die Soundfactory in Gersthofen eingeladen. Ich damals noch als Tobi Fu, der Kollege als Sieber STS.
Sieber: Stimmt! Irgendwie hat das in der City mit uns anfangs nicht so richtig gefunzt, auf dem Land lief es damals deutlich besser für uns.

Und wie kam’s letztendlich zu auto.matic?
Sieber: Michi Walch, ein Kumpel von uns aus SMÜ, hat damals im Kerosin als Barkeeper gejobbt. Er hat uns ständig damit bearbeitet, eine eigene Partyreihe auf die Beine zu stellen.
Schmid: Anfangs haben wir uns noch gewehrt. Wir dachten sowieso, das haut nie hin.
Sieber: Wir haben uns damals im Kerosin schriftlich beworben, kein Witz. Es hat geklappt und dann ging das eben los.

Wir leben in einer schnellen und vergänglichen Zeit. Wie schafft man es, so lange eine Partyreihe erfolgreich und vor allem noch immer mit einer großen Credibility aufrecht zu erhalten?
Schmid: Ein Grund, warum auto.matic schon so lange funktioniert, ist vielleicht, dass wir nie Geld damit verdienen mussten, wir haben alles aus Leidenschaft gemacht. Und es war immer ein Clubabend von Freunden, mit Freunden, für Freunde! Das war uns immer das Wichtigste. Eine gute Stimmung und die freundschaftliche Beziehung zum Club, den Betreibern, den Türstehern, dem Barpersonal, war uns immer besonders wichtig.
Sieber: Genau, it’s a family thing!

Auf eurer Facebookseite steht bei Zugehörigkeit "Church of Techno". Wie viel Techno steckt denn wirklich in euch?
Schmid: Wir haben das immer relativ locker gesehen und breit abgesteckt. Wir haben jetzt nie den Abend mit 160 bpm durchgebrettert. Wir galten ja in der Techno-Szene eher so als die Weichspüler, die Popper unter den Techno-DJs.
Sieber: Bei uns waren auch immer viele Indieleute aus dem Kerosin da. Wir hatten keine Skrupel, zwischendrin mal Justin Timberlake oder so aufzulegen.

Tobi, du wohnst seit vielen Jahren in Hamburg und pilgerst einmal im Monat in die Heimat, um aufzulegen.
Schmid: Es ist phantastisch! Für mich ist das natürlich eine wunderbare Gelegenheit, Freunde und Familie zu treffen und Schnitzel zu essen (lacht).

Seit 2010 veranstaltet ihr auch die "auto.matic.open" im Kesselhaus.
Sieber: 2008 starteten deutschlandweit die ersten elektronischen Freiluftpartys. 2009 haben wir in Dresden bei so einer Veranstaltung aufgelegt und dachten uns, das wäre doch auch was für Augsburg. Wir sind wie immer total naiv an die Sache herangegangen.
Schmid: Wir dachten uns, wenn’s schief läuft, dann muss eben der Bausparvertrag herhalten, ein Versuch war es uns definitiv wert. Und es hat geklappt. Das hat unserer Party noch mal einen kräftigen Push gegeben, weil wir durch die Freiluftveranstaltung ein neues Publikum generiert haben.

Ihr seid inzwischen in einem Alter angekommen, in dem man gerne Rotwein trinkt, ins Theater geht und auch mal eine Lesung besucht. Mal Hand aufs Herz: Gab es Momente, in denen ihr von der DJ-Kanzel ins Publikum geschaut und euch gefragt habt: Was mache ich hier eigentlich?
Sieber: Nein, in dieser Form nicht. Aber wenn morgens um 5 Uhr das Putzlicht angeht und dann so Youngster vor dir stehen, die deine Söhne sein könnten, erschrickt man schon mal kurz.
Schmid: So alt sind wir ja auch noch nicht, aber es kommt immer öfters vor, dass man mit Sie angesprochen wird.

Was hat sich in den letzten 15 Jahren verändert?
Schmid: Das Ausgehverhalten hat sich krass geändert. Damals wurde die Türe im Kerosin um 22.00 Uhr aufgesperrt und spätestens wenn die letzte Straßenbahn um 0.15 Uhr vorfuhr, war der Laden voll. Heute kommen die Leute vor 1.00 Uhr gar nicht in die Puschen.
Sieber: Die Erwartungshaltung ist gestiegen. Früher haben wir Flyer und Poster aufgehängt und die Leute sind gekommen, obwohl viele den Act gar nicht kannten. Heute muss man alle Plattformen bedienen, die das Netz hergibt. Das ist wesentlich anstrengender, die Leute informieren sich vorab und hören sich Tracks im Internet an. Es ist schwieriger geworden, das Publikum bei Laune zu halten.

Hattet ihr nie Ambitionen, die Jobs an den Nagel zu hängen und als DJs in der Welt herumzureisen?
Sieber: auto.matic und das Kerosin haben uns aufgrund der Einladungen unserer DJs auch etwas Ruhm in der Szene beschert und dadurch wurden wir auch überregional bekannter. Wir waren eine Zeit lang gut unterwegs und haben u.a. in Frankfurt, Berlin, Köln, Istanbul, Moskau, Barcelona, Hamburg, Dresden, Bordeaux, Stuttgart unsere Visitenkarten abgegeben. Zwischenzeitlich haben wir auto.matic auch fast drei Jahre monatlich in Hamburg gemacht.
Schmid: Aber für den großen Durchbruch, den Bortzi (Daniel Bortz, Anm. der Red.) derzeit hat, hat es nie gereicht. Wir hatten irgendwie immer Schiss, alles auf diese eine Musikkarte zu setzen. Deswegen haben wir nie in unseren Jobs aufgehört.
Sieber: Damals waren die Gagen auch nicht so hoch wie heute.
Schmid: Wenn man davon leben muss, ist man oft gezwungen, Bookings annehmen, die jetzt nicht so prickelnd sind. Dadurch, dass wir es nie hauptberuflich machen mussten, haben wir uns immer eine gewisse Leichtigkeit bewahrt. Uns war immer wichtig, dass der Spaß nicht zu kurz kommt.

In 15 Jahren habt ihr eine Armada an Gast-DJs beherbergt. Welches Booking war das absolute Highlight?
Schmid: International Pony. Die waren auch nur ein einziges Mal in Augsburg, das Kerosin war bis auf den letzten Millimeter gefüllt. Dann ganz klar Paul Kalkbrenner. Siebi hatte die geniale Idee, den Filmstart von „Berlin Calling“ in Augsburg eine Woche vorzuziehen. Erst Film, dann Party, das hat mächtig gerockt.
Sieber: Zum Neunjährigen haben wir Sven Väth im Kesselhaus gemacht. Wenn das Idol mal anrückt, dann ist das schon ein großes Ereignis.

Ihr habt siebeneinhalb Jahre im Kerosin aufgelegt und dann siebeneinhalb Jahre im Schwarzen Schaf. Nachdem inzwischen beide Clubs Geschichte sind: Was macht ihr in den nächsten siebeneinhalb Jahren?
Sieber: Mal sehen, wir haben da im Moment keinen Business-Plan, aber unser Motor läuft nach wie vor! Auto.matic wird es auch nach dem Aus des Schwarzen Schafs weiterhin geben, aber ob monatlich oder in größeren Abständen, wird sich zeigen.

Am 11. November steigt das Jubiläum.
Sieber: Ja, wir kommen quasi heim! Und zwar ins Bungalow. Das ist jetzt da, wo früher das Kerosin war.
Schmid: Ich freue mich unheimlich darauf, weil ich bestimmt seit sieben Jahre nicht mehr in dieser Location war.

Von was träumt man als Veranstalter nach so vielen Jahren noch?
Sieber. DJ Koze wäre noch mal cool. Aber ich bin glücklich und dankbar, wie alles gelaufen ist.
Schmid: Geht mir auch so! Generell sind mir Abende mit Roman Flügel oder Robag Whrume lieber, weil da einfach Chemie stimmt. Ich brauche keinen DJ, der zwar den Laden mit seinem Namen füllt, zudem wir aber keine Berührungspunkte haben.
Sieber: Das Essen vor dem Clubabend hat sehr an Bedeutung gewonnen.

Freitag, 11.11., Bungalow, 15 Jahre auto.matic.music mit Stefan Sieber & Tobias Schnid, Special Guest: ÂME (Innervisions, Berlin), Beginn: 23.00 Uhr

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