Lagerfeuer im Wohnzimmer der Gedanken

Wie ein Sonntagnachmittag mit Mohnkapseltee - die Hamburger Band Die Heiterkeit gastierte am Freitag in der Soho Stage.

Sie waren einer der Kritikerlieblinge des vergangenen Jahres: Die Heiterkeit haben mit dem Doppelalbum "Pop & Tod I + II" für ordentlich Diskussionen gesorgt. So viel Understatement, Anti-Wohlfühl-Kumpel-Getue ist selten in der deutschen Szene, am ehesten erinnern Die Heiterkeit an Tocotronic, würden die nur aus Sänger Dirk von Lowtzow bestehen.

Die Stimme von Mastermind Stella Sommer weckt Erinnerungen an das 1988 verstorbene Model Christa Päffgen, die unter ihrem Künstlernamen Nico auf dem ersten Album von Velvet Underground 1967 zur Popikone wurde. Die Hamburger Nico singt Songtitel wie "Schlechte Vibes im Universum", "Hier kommt die Kälte", aber auch "Alle Menschen lieben mich" und folgt selbst in dieser Sloganhaftigkeit den großen Vorbildern aus der Hansestadt - ohne ein Plagiat zu sein, Schwestern im Geiste aber vermutlich schon. Ob es Absicht ist, dass der Schlagzeuger, der einzige Mann in der Band, im Schummerlicht kaum zu erkennen ist?

Sei's drum, die Heiterkeit sind zwar, wie eine Zeitung mal schrieb, "dunkel, entschleunigt und hübsch gelangweilt", verbreiten live aber trotz aller Zurückhaltung eine erstaunlich warme Atmosphäre. Nicht zuletzt dank des dreistimmigen Gesangs wird die musikalische Reduktion zum glimmenden Lagerfeuer im Wohnzimmer der Gedanken. Wie ein Sonntagnachmittag mit Mohnkapseltee - und das an einem Freitagabend im voll besetzten Kellerclub. Respekt! (flo)

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