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Zum Niederknien

Von wegen abgehalftert: Jochen Distelmeyer beweist in der Kantine, dass er immer noch einer der ganz Großen ist - auch als Interpret...

Jochen Distelmeyer ist genau genommen bereits seit dem dritten Blumfeld-Album "Old Nobody" von 1999 Gegenstand reger Diskussionen und schien spätestens mit seinem im Prinzip gescheiterten Romanprojekt "Otis" (2015) abgemeldet. Bei seinem Konzert in der Kantine am Samstag zeigte der 48-Jährige, dass er immer noch einer der ganz Großen ist - auch als Interpret.

Auf dem Spielplan stand natürlich das aktuelle Album "Songs From The Bottom", das ausschließlich Coverversionen enthält, was der junge AZ-Lokalredakteur wiederum zum Anlass nahm, mit "provokanten" Fragen die Zuhörer zu nerven. Das ist aber auch das Einzige, was an diesem Abend stört.

Jochen Distelmeyer lässt sich keine Sekunde lang anmerken, dass der Saal nicht gerade proppenvoll ist und zeigt sich als charmanter Conferencier mit Anekdoten und Hintergründen zu den einzelnen Songs. Die Auswahl ist vor allem in ihrer Vielfalt erstaunlich, Gassenhauer wie Supertramps "Take The Long Way Home" oder The Verves "Bitter Sweet Symphony" treffen auf das kongeniale (und vermutlich noch selten nachgespielte) "A Shot in The Arm" von Wilco oder das nachdenkliche "I Read A Lot" von Nick Lowe.

Unterstützt von Daniel Florey am Keyboard liegt Distelmeyers Stimme so glasklar im Raum, dass man fast vergisst, auf sein raffiniertes Gitarrenspiel zu achten. Hier ist die ausgelutschte Phrase von der Gänsehaut-Atmosphäre mal wirklich angebracht. Vermutlich auch, weil die beiden Musiker, obwohl sie es sicher könnten, unnötige Schnörkel weglassen und eben nicht auf Teufel komm raus versuchen, den Songs den eigenen Stempel aufzudrücken. Diese Stimme ist wahrlich Stempel genug.

In den Zugabenteilen gibt es dann noch einige Blumfeld-Songs wie "Kommst du mit den Alltag" und "Wir sind frei", was die Fans restlos zufriedenstellt, die Distelmeyer gar nicht gehen lassen wollen. Ein Mann, der selbst Pop-Klassiker schreibt, spielt ein Album mit den Klassikern anderer Komponisten ein. Eigentlich das Normalste auf der Welt, nur dass es in dem Fall zum Niederknien schön ist. (flo)

Foto: Joe&Hanne

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