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Bärry
Nachgefragt

Der 5. Beatle

Florian Egon Kraus aka Bärry ist Künstler, Fotograf, DJ und Tätowierer. Und er ist dabei, wenn Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys auf Tour sind

Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys sind der größte musikalische Exportartikel, den Augsburg je hervorgebracht hat. 30.000 Tifosi haben die Italo-Pop-Stars am 30. Mai in der ausverkauften WWK Arena abgefeiert. Der Augsburger Künstler Florian Egon Kraus begleitet die Band von Beginn an. Walter Sianos traf ihn in seinem Atelier.

Bärry, du warst natürlich beim Heimspiel in der WWK Arena dabei. Wie hast du diesen Wahnsinn miterlebt?

Man hat am Veranstaltungstag gleich gespürt, dass etwas Besonderes in der Luft liegt, die Vorfreude und die Anspannung waren definitiv größer als sonst. Und dann nahm der Wahnsinn seinen Lauf und es hat tatsächlich einige Wochen gedauert, bis ich gecheckt habe, wie krass und wie toll das alles ablief und dass an diesem Tag Geschichte geschrieben wurde und die Jungs auch der Stadt etwas zurückgeben konnten.

Wie ist das, wenn der Vorhang wieder unten ist und man nach so einem Spektakel in seinem Bett liegt?

Eine Melange aus Glücksgefühl und Schmerzen (lacht). Ich glaube, ich habe an diesem Tag 40.000 Schritte absolviert. Mein Kopf war voller Impressionen, alle waren so überwältigt von diesem Event, dass die After-Show-Party gar nicht so wild ausfiel und wir uns doch relativ zügig wieder nach Hause bewegt haben.

RB&DAB haben ja schon vor doppelt so vielen Zuschauern gespielt…

Stimmt, bei Rock am Ring waren es beispielsweise 60.000, aber das war auch ein Festival mit mehreren Acts. In die WWK Arena sind 30.000 Tifosi nur wegen ihnen aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz angereist, das ist schon etwas Besonderes und das muss man ganz klar höher anrechnen.

Auf wie vielen Festivals warst du dieses Jahr mit auf Tour?

2025 waren wir viel auf Achse, deshalb hat es die Band dieses Jahr bewusst langsamer angehen lassen, letztendlich waren es 20 Festivals und einige Solo-Shows.

Du bist von Beginn an dabei und für Foto- und Videoaufnahmen der verantwortliche Mann. Ein toller Job, nehme ich mal an.

Definitiv, ich bin sehr gerne mit den Jungs unterwegs und es macht mir großen Spaß. Ich bin super nah dran, stehe aber nicht im Mittelpunkt oder in der Verantwortung wie die Musiker selbst, was für mich aber angenehm ist, da ich kein Scheinwerferlicht brauche.

Ich hatte ja mal das Vergnügen, mit euch zwei Tage auf Tour zu verbringen, dabei ist mir aufgefallen, mit welchem Respekt Band und Crew sich begegnen.

Ja, das läuft schon sehr auf freundschaftlicher Basis. Inzwischen ist der Apparat angewachsen und immer mehr Menschen sind daran beteiligt, dass dieses Konstrukt reibungslos läuft. Jeder erfüllt mit Leidenschaft und Freude seinen Job und das ist wohl eine der großen Stärken im Team.

Wann war der Moment, in dem du dachtest: Das geht jetzt hier durch die Decke?

Das war vor der ersten großen Tour 2020, die wegen Corona kurzfristig abgesagt wurde. Da war ich lange sauer auf das Universum, alles war angerichtet und kurz vor dem GO wurde alles gecancelt. Das war für alle extrem bitter. Aber RB&DAB und das Team haben das Beste daraus gemacht. Anstatt uns selbst zu bemitleiden, haben wir wirkungsvolle Alternativen gesucht, wie etwa Online-Auftritte oder Strandkorbkonzerte. Im Nachhinein glaube ich sogar, dass dadurch alles noch mehr angefeuert wurde, denn mit Roy & Co. konnte man super in eine andere Welt eintauchen. Als alles wieder losging, waren sie die richtige Band zur richtigen Zeit. Danach gab es kein Halten mehr.

Jetzt muss ich mal ganz weit zurückspulen. Du kennst die Jungs sehr lange und hast in einem früheren Leben mit Roy in einer Band gespielt. Wieso sitzt du eigentlich nicht an den Drums?

Das stimmt. Aber nachdem wir uns aufgelöst hatten, war ich mit tausend Dingen beschäftigt und hatte gar keine Zeit für eine neue Band. Aber bei einem Auftritt in Frankfurt habe ich bei „Quanto Costa“ gespielt, weil Bungo stagediven wollte.

Du bist also sozusagen der 5. Beatle?

So in etwa (lacht).

Dein Leben besteht aus viel mehr, als nur auf Tour zu sein. Du bist Künstler, DJ und Motor der seit 12 Jahren laufenden Dauerbrenner-Party „Lamborginy Disco“. Du verdienst dein Geld mit Videos, Fotos und als Tätowierer. Was steht eigentlich auf deiner Visitenkarte?

Gute Frage, ich habe keine. Dafür aber fünf verschiedene Instagram-Accounts. Ich muss jetzt mal eine Mutterfirma gründen, um alles zu komprimieren. Lamborginy Disco ist ein Herzensding und eine der wenigen Nichttechno-Partys in Augsburg. Daher ist es mir sehr wichtig, das weiterzuführen. Mit Fotos, Videos und Tattoos verdiene ich mein Geld. Ich bin jemand, der die Vielfalt braucht und nicht immer nur das eine machen kann.

Du bist also jemand, der überall funktioniert?

Definitiv. Durch meine Tätigkeiten durfte ich schon viel ausprobieren und viel sehen. Meistens hat es auch geklappt (lacht).

Du machst Handpoke-Tattoos. Was bedeutet das?

Handpoke ist eine traditionelle Methode, bei der die Tinte ohne elektronische Maschine Punkt für Punkt von Hand in die Haut gestochen wird. Diese Art des Tätowierens dauert auch länger. Ich habe mich aber bewusst für diese Technik entschieden, weil das Leben inzwischen immer mehr von Schnelligkeit und Geschwindigkeit diktiert wird. Meine Motive sind daher eher simpel und trashig.

Was sind deine liebsten Foto-Motive?

Menschen, Architektur, Streetlife… da will ich mich gar nicht festlegen. Ich fotografiere im Prinzip alles, was mir ins Auge fällt. Ich möchte mich gerne künstlerisch ein bisschen zurückbesinnen und wieder mehr analog arbeiten. Aufgrund meiner Vergangenheit als Buchbinder liebe ich Papier und verschiedene Strukturen. Ich plane auch eine eigene Foto-Ausstellung. Vorher stelle ich im City Club(seit 29. September) mit mehreren Fotograf:innen aus, die den Club im Laufe der Jahre begleitet haben. Dazu wird parallel auch ein Buch veröffentlicht. (ws)

 

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