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Tatjana Dörfler - Die Brückenbauerin
Bildung, Wissenschaft, Kultur und Welterbe: Tatjana Dörfler verantwortet seit 1. August ein ungewöhnlich breites Referat. Im Interview spricht sie über ihren Start im neuen Amt, große Kulturprojekte und ihren Anspruch, die unterschiedlichen Bereiche und Akteure der Stadt stärker miteinander zu verbinden.
Sie sind seit 1. August im neuen Amt. Wie sind Sie im neuen Referat angekommen?
Gut. Mein Start hatte sogar einen kleinen Vorteil: Ganz Augsburg ist in die Sommerferien gegangen. In den ersten Wochen konnten wir uns deshalb im Referat auf die Arbeit im Team konzentrieren, uns kennenlernen und Strukturen anschauen.
Was hat Sie beim Blick hinter die Kulissen der Augsburger Kultur am meisten überrascht?
Eigentlich nichts völlig Überraschendes. Ich habe mich bereits vorher intensiv mit der Augsburger Kultur und Politik beschäftigt. Die großen Themen waren mir bekannt. Neu ist natürlich das Detailwissen und der unmittelbare Einblick in die täglichen Aufgaben und Abläufe.
Sie bringen Erfahrungen aus der Hochschule Augsburg und dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst mit. Was davon hilft Ihnen heute besonders?
Im Bereich Bildung und Wissenschaft habe ich viele Jahre gearbeitet, zunächst im Ministerium und anschließend über 14 Jahre an der Hochschule Augsburg. In den vergangenen Jahren kam die Kulturarbeit im Wissenschafts- und Kunstministerium dazu. Dort habe ich mich unter anderem mit Kulturbau, Kulturförderung und der Museumsoffensive beschäftigt. Gerade diese Praxiserfahrungen kann ich jetzt gut einbringen.
Mussten Sie dafür Ihren Führungsstil verändern?
Führung muss sich immer an den jeweiligen Strukturen und an der Größe eines Teams orientieren. Ministerielle Strukturen funktionieren anders als eine Hochschule oder die Stadtverwaltung. Hier arbeiten wir im Kernbereich des Referats mit rund 30 Personen. Darauf muss man sich einstellen.
Ihr Referat verbindet Bildung, Wissenschaft, Kultur und Welterbe. Was ist der gemeinsame Nenner dieser zunächst sehr unterschiedlichen Bereiche?
Diese Bereiche gehören für mich eng zusammen. Bildung begleitet Menschen vom frühen Kindesalter bis ins Seniorenalter, Wissenschaft dockt unmittelbar daran an. In Augsburg sind wir mit der Technischen Hochschule und der Universität sehr gut aufgestellt. Auch Kultur und Bildung gehören selbstverständlich zusammen. Das Welterbe ist ein wichtiger Bestandteil unserer Stadt und bietet zugleich die Chance, Bildung, Kultur und Tourismus stärker miteinander zu vernetzen.
Augsburg investiert viel in große Kulturprojekte wie das Staatstheater und die Freilichtbühne. Gleichzeitig arbeitet die freie Szene mit knappen Budgets. Muss sie befürchten, dass künftig weniger für sie übrigbleibt?
Ich sehe das nicht als Entweder-oder. Die Kulturszene in Augsburg lebt von ihrer Vielfalt. Die freie Szene wird seit Jahren kontinuierlich gefördert – sowohl institutionell, insbesondere im Bereich der freien Theaterszene, als auch über die Projektförderung. Bei der Projektförderung haben die freie Theaterszene und die Clubs zusammen einen Anteil von mehr als 50 Prozent. Natürlich gehen wir mit unserem gesamten Etat in die Haushaltsberatungen. Die Situation der kommunalen Haushalte ist schwieriger geworden. Trotzdem haben Kultur und Bildung einen hohen Stellenwert. Deshalb gehe ich zuversichtlich in die anstehenden Beratungen.
Wie soll das von Ihnen angesprochene „Fair Ticket“ funktionieren?
Die Idee ist, bei städtischen Veranstaltungen oder gegebenenfalls auch beim Staatstheater einen kleinen Aufschlag auf reguläre Eintrittskarten zu erheben. Wir denken dabei an einen Euro. Die Einnahmen könnten in einen Stiftungsfonds fließen und anschließend der freien Kulturszene zugutekommen. Damit würden sich die großen Institutionen und die freie Szene gegenseitig stützen.
Die Freilichtbühne ist für viele Augsburger:innen ein emotionaler Ort. Wie realistisch ist eine Sanierung im laufenden Betrieb?
Die Freilichtbühne hat für uns eine sehr hohe Priorität. Sie liegt im Herzen der Stadt und gehört für viele zum Sommergefühl. Erste Bedarfserhebungen haben bereits stattgefunden. Im Moment geht es vor allem darum, die Spielstätte möglichst schnell wieder bespielbar zu bekommen. Es ist nicht die Zeit, gleichzeitig alle Wünsche nach einer umfassenden Weiterentwicklung umzusetzen.
Augsburg ist UNESCO-Welterbestadt. Wie möchten Sie das Welterbe stärker ins Bewusstsein der Bevölkerung bringen?
Das Welterbe ist einer der größten Schätze, die wir in Augsburg haben. Eine Besonderheit ist, dass es sich über ein größeres Gebiet verteilt. Wir wollen das UNESCO-Welterbe touristisch stärker nutzen und Augsburg als attraktives Ziel für Kulturtourismus positionieren. Für mich ist Kulturtourismus ein wesentlicher Hebel für qualitativ hochwertigen Tourismus. Aber es geht nicht nur um Tourist:innen. Wir können das Welterbe stärker mit unseren Bildungsangeboten verknüpfen und für Schulen und Kitas zugänglicher machen.
Gibt es ein kulturpolitisches Thema, bei dem Sie derzeit noch keine fertige Antwort haben?
Ich weiß nicht, ob man Politik so betrachten sollte. Ich bin ein grundoptimistischer Mensch. Zum politischen Tagesgeschäft gehört es, dass immer wieder neue Themen entstehen und man Lösungen entwickeln muss. Genau dafür arbeiten wir hier im Team zusammen. Einen kulturpolitischen Brocken, vor dem ich derzeit besonders Angst hätte, gibt es nicht. Ich bin kein ängstlicher Mensch.
Welche Entscheidung der vergangenen Jahre würden Sie heute anders treffen?
In einer Demokratie hat man auf Zeit ein Mandat. In dieser Zeit werden Entscheidungen getroffen, und dafür gibt es Stadtratsmehrheiten. Wir haben jetzt einen Startpunkt. Mit dem, was vorhanden ist, arbeiten wir. Natürlich gibt es Dinge, bei denen wir sagen: Das kann man justieren, anders oder vielleicht auch besser machen. Aber ich schaue bei dem, was jetzt ansteht, nach vorne und nicht in den Rückspiegel.
Wo gehen Sie selbst in Augsburg hin, wenn Sie Kultur genießen möchten?
Ins Theater, eigentlich in allen Varianten und über alle Sparten hinweg. Und ich bin sehr froh, dass auch die Stadtbücherei zu unserem Referat gehört. Sie ist für mich ein Bildungs- und Kulturort und tatsächlich ein Herzensort. Dort findet man mich auch jede Woche.
Wenn wir in ein paar Jahren wieder miteinander sprechen: Was müsste bis dahin passiert sein, damit Sie sagen: Dafür hat es sich gelohnt, dieses Referat zu übernehmen?
Wenn wir dann tatsächlich das Staatstheater eröffnet haben, wäre das ein riesiger Meilenstein und einer, der weit über eine einzelne Ratsperiode hinausreicht. Wenn wir zusätzlich das neue Römermuseum auf den Weg gebracht haben, würde ich sehr zufrieden auf diese Periode zurückblicken.
Was ist Ihnen für Ihre Arbeit darüber hinaus besonders wichtig?
Dass die Aufgaben, die wir hier angehen, als gemeinsame Aufgaben der Stadt Augsburg verstanden werden. Gerade bei den Kulturbauprojekten ist die Zusammenarbeit mit dem Baureferat essenziell. Mir ist wichtig, dass wir gemeinsam für Augsburg arbeiten – über Referatsgrenzen hinweg. Gerade angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen und der knappen Haushalte ist Kommunikation entscheidend. Wir müssen unsere Kräfte bündeln und die Projekte, die wir uns vorgenommen haben, gemeinsam umsetzen.
Interview: Tanja Moosrainer - Foto: Fabian Scheyer






