Brechtfetival 2018 widmete sich aktuellen Fragen

»Dem Denken Attraktivität verleihen«

Das Brechtfestival widmete sich unter dem Motto »Egoismus versus Solidarität« mit Theater, Performance, Musik, Literatur, Diskussionen und reger öffentlicher Anteilnahme 10 Tage lang aktuellen gesellschaftlichen Fragen.

»Winterreise« – mit diesem umjubelten Theaterabend des Exil Ensembles vom Maxim Gorki Theater Berlin ist am Sonntag (4.3.) das Brechtfestival in Augsburg zu Ende gegangen. Rund 8500 Besucherinnen und Besucher zählte das Festival in diesem Jahr, dank zahlreicher Kooperationspartner. Mit Theater könne man »dem Denken Attraktivität erspielen«, hat der Schauspieler Sepp Bierbichler einmal gesagt. Beim Brechtfestival 2018 scheint das gelungen zu sein. Besonders die Theaterveranstaltungen erfuhren großen Zuspruch: Alle drei Gastspiele (Theater Bremen mit »Der gute Mensch von Sezuan«, Maxim Gorki Theater Berlin mit »Dickicht« und »Winterreise«) waren ausverkauft, ebenso alle Theaterbeiträge aus der freien Szene (drei Mal theter Ensemble mit »Fatzernation«, zwei Mal »Der kalte Hauch des Geldes« vom Sensemble Theater). Restlos voll waren die Theaterpredigt in St. Anna, alle Veranstaltungen im Brechthaus und der Poetry Slam im Parktheater. Viele weitere der insgesamt etwa 40 Veranstaltungen waren sehr gut besucht. Ein Publikumsmagnet war wie in den Vorjahren die Lange Brechtnacht. Trotz eisiger Kälte auf den Straßen feierten und tanzten 1600 Gäste zu unterschiedlichsten Konzerten an 10 Orten im ganzen Stadtgebiet.

Das Festival folgte wie schon im Vorjahr der Idee, Brecht und Gegenwart miteinander zu konfrontieren. Unter der Überschrift »Egoismus versus Solidarität« zeichneten sich thematische Querbezüge über Veranstaltungs- und Genregrenzen hinweg ab: Wie können, wollen oder sollen wir in einer kapitalistischen Welt leben? Was machen Krieg, Revolution und Exil mit Menschen und Gemeinschaften? Was ist Solidarität, welche Einwirkungen hat sie auf Einzelne und Gesellschaften? Wo findet man sie, wo fehlt sie? Wo und wie verlaufen die Konfliktlinien zwischen »ich« und »wir« in der heutigen Gesellschaft? Ungeplant erlebbar wurde eine dieser Konfliktlinien im Rahmen einer missglückten aber lehreichen Diskussionsveranstaltung, bei der sich kein Dialog zwischen den Beteiligten einstellte, sondern vielmehr Abwertungen und kränkende Äußerungen im Raum standen. Auch die Aufarbeitung des Ereignisses in der Öffentlichkeit und Wahrnehmungen durch die Podiumsgäste und das Publikum zeichneten sich durch unterschiedliche und teils extreme Positionen aus.

Die Vorbereitungen für das dritte und letzte Festival unter der Leitung von Patrick Wengenroth sind indessen schon angelaufen. Es findet vom 22.2. bis zum 3.3.2019 statt. »Ich freue mich sehr über den großen Publikumszuspruch zu so vielen Programmpunkten im diesjährigen Brechtfestival. Das Interesse an der Auseinandersetzung mit Brecht und aktuellen gesellschaftlichen Fragen ist enorm und dies zeigt sich für mich auch in den vielen intensiven Gesprächen, Diskussionen und Auseinandersetzungen der vergangenen zehn Tage. Wir nehmen positive und kritische Impulse auf und lassen sie in die Planung des nächsten Festivals einfließen«, so Wengenroth.

Rubrik: 

Weitere News zum Thema

Große Hochschul-Kunstaktion von "Die Bunten"

Verfasst von Neue Szene am 22.06.2018

Ehemalige JVA Hochfeld erhält fünf wissenschaftliche Wand-Graffitis...

Erlebnistag im Busbetriebshof der Stadtwerke

Verfasst von Neue Szene am 22.06.2018

Am 07.07. ist ein seltener Einblick in die swa-Buswerkstatt möglich...

Volldampf voraus im Bahnpark mit Museumszügen

Verfasst von Neue Szene am 21.06.2018

Bis in den Herbst gibt es nostalgische Zugfahrten in und um Augsburg...