Breitbandausbau in Bayern gleicht einem Flickenteppich

Breitbandausbau in Bayern gleicht einem Flickenteppich

Das Land hinkt hinterher. Die durchschnittliche Netzgeschwindigkeit in der Bundesrepublik beträgt 15 Megabit pro Sekunde, damit belegt Deutschland international den 25. Platz. Für die rot-schwarze Koalition in Berlin steht fest: Bis 2025 soll der flächendeckende Breitbandausbau abgeschlossen sein. Innerhalb der einzelnen Bundesländer und Regionen gibt es allerdings erhebliche Unterschiede. Während in vielen Städten bereits die meisten Haushalte an das Glasfaserkabelnetz angeschlossen sind, gibt es insbesondere in ländlichen Gebieten noch immer große "weiße Flächen" in denen die Haushalte nur über langsame Internetverbindungen verfügen.

Warum ist schnelles Internet so wichtig für die Wirtschaft?

Schnelles Internet bedeutet Filme in hoher Auflösung streamen, Internettelefonie oder auch Datensicherung in der Cloud. Mit niedrigen Bandbreiten sind diese Dinge nicht möglich. Was für Privatpersonen ärgerlich ist, ist für Unternehmen ein erheblicher Wettbewerbsnachteil. Viele vor allem mittelständische Betriebe sind noch immer per DSL an das Internet angebunden und können somit nur auf eine sehr geringe Bandbreite zurückgreifen. Um die Wirtschaft im Zuge der Digitalisierung tatsächlich fit für die Industrie 4.0 zu bekommen, ist eine schnelle Internetverbindung allerdings Grundvoraussetzung.

Moderne Unternehmen müssen mit einer Unmenge an Daten umgehen. Im Einzelhandel beispielsweise werden große Datenmengen zwischen Zweigstellen und der Zentrale ausgetauscht. Umsatzzahlen, Aktualisierung des Warenwirtschaftssystems, Kundendaten oder der Datenabgleich und Austausch mit externen Dienstleistern. Auch an der Kasse laufen alle Kartenzahlungen über das Internet.

Schnelles Internet in Bayern ist Glückssache

In Bayern insgesamt steckt die Verfügbarkeit von schnellem Internet eher im Mittelalter als fast 2020. Seit 2016 sind aus dem milliardenschweren Bundesprogramm nur zwei Projekte in Bayern umgesetzt worden. Dabei flossen 4,1 Millionen Euro in die Verlegung von Glasfaserkabeln. Grund für das stockende Vorankommen ist die schiere Überforderung der bayrischen Verwaltung, die bislang zwar viel Geld für externe Berater ausgegeben haben, Förderbescheide für den Ausbau hingegen wurden zwar vergeben, abgerufen wurden bislang aber nur wenige. Zudem kommen die Anbieter von schnellem Internet mit der Bearbeitung der Aufträge kaum hinterher, was sich zusätzlich verzögernd auf den Ausbau auswirkt.

12,1 Millionen Euro Fördergelder zusätzlich für Schwaben

In Schwaben entscheiden die Gemeinden im Rahmen ihrer kommunalen Planungshoheit darüber, wo der Ausbau stattfinden soll. Das Land stellte mehr als 12,1 Millionen Euro zusätzliche Förderung für den Ausbau der digitalen Infrastruktur in Schwaben. Davon profitieren 17 Gemeinden, insgesamt 53 Schulen Krankenhäuser sowie Rathäuser von diesen Fördermitteln. Die einzelnen Gemeinden in Schwaben engagieren sich stark beim Thema Breitbandausbau. Mit 331 Gemeinden befinden sich insgesamt 97 % in laufenden Förderverfahren. 274 Kommunen wurde dabei eine Fördersumme von mehr als 138,9 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Somit bleibt ein Teil der maximal zu beantragenden Fördermittel von 232,9 Millionen Euro für Schwaben noch offen.

Augsburg ist vergleichsweise gut aufgestellt

Im Gegensatz zu anderen Regionen Bayerns kann die Breitbanderschließung in Augsburg als gut bezeichnet werden. Trotz des guten Voranschreitens gibt es aber noch immer Stadtgebiete, die einen Bedarf an schnellem Internet haben. Neben anderen Telekommunikationsanbietern wie Telekom oder O2 baut auch Vodafone das Internet in Augsburg aus. Das bedeutet, dass innerhalb des Stadtgebiets der Stadt Augsburg im Rahmen des laufenden Geschäfts der Telekommunikationsunternehmen und Netzbetreiber eigenwirtschaftliche Ausbauarbeiten stattfinden. Mittel aus dem "Bayrischen Breitbandförderungsprogramm" und dem "Bundesförderprogramm für den Breitbandausbau" werden für diesen Ausbau nicht verwendet.

Um die verbleibenden "weißen Flecken" auf der Karte des schnellen Internets schnellstmöglich auszumerzen will die bayrische Landesregierung den Breitbandausbau verstärkt fördern - nicht zuletzt, um den Herausforderungen der digitalen Transformation unserer Gesellschaft gerecht zu werden. Die dafür vorgesehene "Bayrische Gigabit-Richtlinie" wurde von der EU genehmigt. Bislang verhielt es sich so, dass Förderungen nur dann genehmigt werden konnten, wenn am entsprechenden Standort Verbindungsgeschwindigkeiten von unter 30 Mbit/s vorlagen. Nun können Förderungen auch dann vergeben werden, wenn höhere Verbindungen möglich sind. Ob durch diese Änderung der Ausbau tatsächlich beschleunigt werden kann und wann endlich das ganze Land mit schnellem Internet versorgt ist, bleibt abzuwarten. (pm)

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