15.000 Kilometer bis nach Peking, Teil 3: Die Türkei

15.000 Kilometer bis Peking - Rette, rette Fahrradkette. Teil 3: Die Türkei.
Die Schwestern Ana und Ida Lutzenberger aus Augsburg radeln und sammeln Spenden für Seawatch!

Vor genau zwei Monaten sind Ida und Ana Lutzenberger mit ihren Fahrrädern von ihrem Elternhaus in Schwaighausen Richtung Peking losgezogen, vor ihnen liegen 15.000 Kilometer in sieben Monaten. Aber neben ihrer Abenteuerlust haben die beiden Schwestern und Kunstpädagoginnen mit “Rette, rette, Fahrradkette” auch eine Spendenaktion für die Seerettungsorganisation “Seawatch” ins Leben gerufen. Ida hat in Augsburg studiert und lebt hier seit sechs Jahren. 2020 war sie bei der “Schwabillu” im Glaspalast mit ihren Bildern zu sehen, seit 2016 ist Ida mit ihrer Handpuppe “Graf Schaf” Teil des museumspädagogischen Programms im Gersthofer Ballonmuseum.
Walter Sianos hat die beiden auf ihrer Etappe in der Türkei erreicht.

Hallo ihr Abenteuerinnen, euch scheint es richtig gut zu gehen…
Ja, stimmt. Außer dass es heute leider regnet.

Wenn man eure Tourtagebücher verfolgt, dann bekommt man leicht den Eindruck, dass ihr derzeit nur noch am Futtern und Feiern seid…
Haha, das stimmt. Das liegt aber in erster Linie daran, dass man in der Türkei einfach ständig eingeladen wird. Diese Gastfreundschaft hier ist einfach unglaublich. Und da wir ja viel Zeit auf unseren Fahrrädern verbringen, ist auch die Kalorienzufuhr nicht ganz unwichtig.

Ihr habt eine sehr offene und freundlichen Art. Ist das der Grund der häufigen Einladungen?
Es schadet natürlich nie, wenn man den Menschen freundlich begegnet, aber hier in der Türkei wird einem tatsächlich zu jeder Gelegenheit ein Cay und Kekse serviert, oft endet alles noch bei einem üppigen Essen.

Und ihr wurdet von einer fürsorglichen alten Dame regelrecht gezwungen, bei ihr zu übernachten.
Wir hatten es uns in der Nähe eines Friedhofs gemütlich gemacht und unser Nachtquartier aufgeschlagen. Aber zur Sicherheit wollten wir bei den Nachbarn nachfragen, ob das so in Ordnung geht. Aber die gute Frau hat uns dann vor lauter Sorge überredet, bei ihr zuhause zu übernachten, weil in der Gegend Bären wohl keine Seltenheit sind. Dieses Argument hat uns dann doch überzeugt.

So ein Abenteuertrip steht ja auch für Strapazen, Entbehrungen, Schweiß, Hunger…
Genau das alles hatten wir auch in den letzten Tagen. Es war so heiß, dass der Teer auf den Straßen schmolz und die Berge haben uns auch sehr viel abverlangt. Unsere Vorräte wurden knapp, weil es auf der Strecke nicht mehr so viele Lebensmittelläden gab. Es kam schon vor, dass wir uns nur von Brot und Öl ernähren mussten. Man erlebt also wirklich alle Facetten auf so einer Reise.

Wo seid ihr denn aktuell?
In der Gegend um Ordu am Schwarzen Meer, vor uns liegen noch ca. 300 Kilometer bis zu unserer nächsten Station Georgien. Eigentlich wollten wir nach Aserbaidschan und in der Hauptstadt Baku mit dem Schiff über das Kaspische Meer nach Kasachstan. Aber Aserbaidschan hat wegen Corona seine Grenzen dicht gemacht und auch der Fährverkehr ist derzeit eingestellt. Jetzt müssen wir eben umdisponieren. Mal schauen, was wir machen, wenn wir in Georgien angekommen sind. Dort brauchen wir auch erstmals ein Visum um einreisen zu können. Das könnte spannend werden.

Ihr habt die vielzitierte türkische Gastfreundschaft erwähnt. Was unterscheidet die Türkei von den anderen Ländern eurer Route?
Das Land hat viele Gesichter und man merkt, dass wir immer tiefer in den Orient dringen, auch die Mentalität ist eine andere. Die Türkei ist ein wunderschönes Land mit herzlichen Menschen, man kommt sehr leicht mit ihnen in Kontakt und auch die Kommunikation klappt, ohne türkisch zu können, sehr gut.

Ihr habt aber auch gewalttätige Szenen in Istanbul erlebt.
Ja, wir erfuhren dort von einer Demo für Frauenrechte, die von Feministinnen organisiert wurde und da wollten wir unbedingt dabei sein. Es dauerte nicht lange, bis die Polizei die Veranstaltung mit Tränengasgeschossen aufgelöst hat. Wir sind in ein anliegendes Café geflüchtet, das war schon ziemlich krass. Aber die Aktivistinnen haben sich überhaupt nicht einschüchtern lassen, schon kurze Zeit später standen sie wieder versammelt auf der Straße und haben ihr Ding durchgezogen. Dieser Mut und diese Entschlossenheit haben uns sehr imponiert.

Ihr seid jetzt genau zwei Monaten unterwegs. Ich beneide euch für eure Abenteuerlust und euren Mut, denn das, was ihr erlebt, kann man in keinem Reisebüro der Welt buchen. Ist der Enthusiasmus noch der gleiche wie beim Start? Und gibt es Momente, in denen ihr euch wünscht, bei Mutter zu sein?
An Regentagen wünscht man sich schon mal, zuhause auf dem Sofa zu liegen, aber sonst ist genau das Gegenteil der Fall, unsere Reiselust wird immer größer, je weiter wir in östliche Länder ziehen.

Dann wünschen wir euch weiterhin eine gute Fahrt. Wir sprechen uns wieder in ca. drei Wochen

Interview: Walter Sianos
Fotos: Ana und Ida Lutzenberger

Die Neue Szene begleitet Ana und Ida redaktionell auf ihrer Reise. Auf unserer Website www.neue-szene.de wird es dazu ca. alle drei Wochen einen aktuellen Lagebericht geben.

Kilometerstand: 4150
Spendenstand: 4236,11 Euro (26.07.2021)

Der Link zur Spendeaktion: www.sea-watch.org/spenden/aktion/?cfd=xh64l#cff
Rette, rette Fahrradkette bei Facebook und Instagram
www.facebook.com/retterette.fahrradkette
Instagram: rette_rette_fahrradkette

TEIL 1 ZUM NACHLESEN:
https://www.neue-szene.de/magazin/news/mit-dem-fahrrad-15000-kilometer-bis-nach-peking
TEIL 2 ZUM NACHLESEN
https://www.neue-szene.de/magazin/news/teil-2-istanbul-mit-dem-fahrrad-15000-kilometer-bis-nach-peking

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