Rette, rette Fahrradkette: Unterwegs in Zentralasien.Teil 8: “Welcome to Iran”

Rette, rette Fahrradkette:
Unterwegs in Zentralasien. Teil 8: “Welcome to Iran”
Rette, rette Fahrradkette - 15.000 Kilometer bis Peking. Die Schwestern Ana und Ida Lutzenberger aus Augsburg radeln und sammeln Spenden für Seawatch!

Vor acht Monaten sind Ida und Ana Lutzenberger mit den Fahrrädern von ihrem Elternhaus in Schwaighausen Richtung Peking losgezogen, vor ihnen lagen 15.000 Kilometer. Doch Corona hat ihnen mit ihrer Reiseroute einen Strich durch die Rechnung gemacht. Neben ihrer Abenteuerlust haben die beiden Schwestern und Kunstpädagoginnen mit ”Rette, rette, Fahrradkette” auch eine Spendenaktion für die Seerettungsorganisation ”Seawatch” ins Leben gerufen. Ida hat in Augsburg studiert und lebt hier seit sechs Jahren. 2020 war sie bei der ”Schwabillu” im Glaspalast mit ihren Bildern zu sehen, seit 2016 ist Ida mit ihrer Handpuppe ”Graf Schaf” Teil des museumspädagogischen Programms im Gersthofer Ballonmuseum.
Derzeit befinden sich die beiden Globetrotterinnen auf der Insel Qeshm im südlichen Teil des Irans. Walter Sianos hat zu ihnen durchgefunkt.


Ihr habt es endlich geschafft. Nach dreimonatiger Wartezeit auf ein Visum seid ihr endlich im Iran angekommen!
Das war schon ein nervenaufreibender Kampf, aber mit einem Happyend! Als wir die Visa endlich in unseren Händen hatten, konnten wir es gar nicht glauben. Obwohl wir immer darauf gewartet hatten, war es doch für uns überraschend, dass es am Ende so flott ging und dementsprechend schnell mussten wir auch reagieren und unsere Sachen zusammenpacken.

Wie war es denn für euch, nach so vielen Wochen so plötzlich die Zelte in Usbekistan abzubrechen?
Wir waren jetzt unerwartet lange in Usbekistan, genau gesagt drei Monate und davon einige Wochen in der Stadt Andijon. In dieser Zeit sind einige tiefe Freundschaften entstanden. Uns war bewusst, dass die Wahrscheinlichkeit nicht sehr hoch ist, viele unserer neuen Freunde wieder zu treffen und das hat natürlich auch Trauer in uns ausgelöst, es sind beim Abschied einige Tränen geflossen.

Ihr seid mit dem Flieger von Taschkent nach Teheran geflogen. Wie waren denn eure ersten Eindrücke vom Iran?
Wir haben über Freunde Kontakt zu einigen Iranern bekommen, die uns am Flughafen auch gleich mit einer großen Herzlichkeit empfangen haben. In den ersten fünf Tagen waren wir in Teheran und haben uns dort gleich sehr wohl gefühlt. Vor allem das Wetter hat es sehr gut mit uns gemeint, hier hat es derzeit angenehme 25 Grad, auch wenn wir uns erst einmal an diese Temperaturen gewöhnen mussten. Inzwischen laufen wir beide mit roten Birnen durch die Gegend (lachen).

War das erstmal kein Kulturschock für euch? Teheran ist ja doch eine Metropole mit über 9 Millionen Einwohnern.
Im ersten Moment ist das schon etwas gruselig, in so einer Millionenstadt unterwegs zu sein, aber wir haben uns wirklich sehr schnell akklimatisiert und uns in der Hauptstadt wohlgefühlt. Was auch an unseren Gastgebern lag, die uns sehr liebevoll beherbergt haben. Und eine neue Stadt hat eben auch immer ihren ganz besonderen Reiz. Transportmittel Nummer Eins ist hier übrigens das Motorrad und man glaubt gar nicht, was man alles mit so einem Zweirad transportieren kann, selbst lebendige Ziegen.

Was unterscheidet den Iran von Usbekistan?
Kulturell gibt es einige Parallelen, beide Länder haben einen orientalischen Touch und sind muslimisch geprägte Staaten. In Usbekistan ist die Regierung aber etwas liberaler, was die Ausrichtung angeht, die Einwohner dagegen sind sehr religiös und erlegen sich selber strenge Regeln auf. Im Iran ist genau das Gegenteil der Fall, während die Staatsmacht äußerst streng und konservativ ist, finden die Leute hier eine sehr coole Art, um mit ihren eigenen Wegen soche Dinge zu umgehen. Hier müssen wir beispielsweise permanent ein Kopftuch tragen und unsere Knie müssen immer bedeckt bleiben. Aber die Freundlichkeit der Iraner ist überwältigend.

Inzwischen seid ihr weiter in den Süden gereist.
Genau, nach fünf Tagen haben wir den Bus genommen und sind bis an die Südküste auf die Insel Qeshm runtergefahren. Der Trip hat satte 17 Stunden gedauert, die meiste Zeit sind wir nachts gereist, davon konnten wir aber zum Glück auch einige Stunden schlafen.

Dann habt ihr ja kaum etwas von der Gegend gesehen.
Das stimmt, aber das war uns auch ganz recht, weil uns keine Eindrücke vorweggenommen wurden. Es bleibt also weiterhin spannend. Ab jetzt geht’s nur noch mit Rad weiter, wir werden wieder campen, nachts unsere Zelte aufschlagen und auch kein Flugzeug mehr besteigen. So langsam tasten wir uns in Richtung Westen weiter, peilen jetzt langsam aber sicher wieder die Heimreise an. Wir wollen an die türkische Grenze und von dort an der Südküste entlang, wahrscheinlich nach Griechenland weiterfahren. (ws)

Interview: Walter Sianos
Fotos: Ana und Ida Lutzenberger

Die Neue Szene begleitet Ana und Ida redaktionell auf ihrer Reise. Auf unserer Website www.neue-szene.de gibt es monatlich einen aktuellen Lagebericht.

Kilometerstand: 9.001 km
Spendenstand: 11.501 (07.02.2022)

Der Link zur Spendeaktion:
www.sea-watch.org/spenden/aktion/?cfd=xh64l#cff
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