Mit dem Fahrrad 15.000 Kilometer bis nach Peking

Rette, rette Fahrradkette
Die Schwestern Ana und Ida Lutzenberger aus Augsburg radeln und sammeln Spenden für Seawatch!

Ida und Ana Lutzenberger sind vor zwei Wochen mit ihren Fahrrädern von ihrem Elternhaus in Schwaighausen Richtung Peking losgezogen, das sind 15.000 Kilometer in sieben Monaten. Aber neben ihrer Abenteuerlust haben die beiden Schwestern und Kunstpädagoginnen mit “Rette, rette, Fahrradkette” auch eine Spendenaktion für die Seerettungsorganisation “Seawatch” ins Leben gerufen. Ida hat in Augsburg studiert und lebt hier seit sechs Jahren. 2020 war sie bei der “Schwabillu” im Glaspalast mit ihren Bildern zu sehen, seit 2016 ist Ida mit ihrer Handpuppe “Graf Schaf” Teil des museumspädagogischen Programms im Gersthofer Ballonmuseum.
Walter Sianos hat die beiden auf ihrer Etappe in Kroatien erreicht.

Mit dem Fahrrad vom Allgäu nach Peking, 15.000 Kilometer in sieben Monaten. Wie kommt man auf so eine Idee? Und warum ist euer Ziel ausgerechnet Peking?
Wir sind vor zwei Jahren mit dem Rad von Leipzig nach Odessa in die Ukraine geradelt und haben dabei tolle Erfahrungen gemacht. Und irgendwann stand die Idee im Raum, noch weiter in den Osten zu ziehen. Peking deshalb, weil man von dort aus mit der Transsibirischen Eisenbahn wieder zurückfahren kann, fliegen kommt für uns aus klimaneutralen Gründen gar nicht in Frage. Mal sehen, ob unsere Reise tatsächlich in Peking enden wird, aktuell sind die Grenzen nach China wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Aber wenn nicht China, dann eben wo anders, das tut der Sache letztendlich keinen Abbruch.

Neben Fernweh und Abenteuerlust hat euer Trip auch noch einen anderen Grund.
Ja, wir haben mit “Rette, rette Fahrradkette” auch eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Wir Europäer haben das Privileg, überall hinfahren zu können, wohin wir wollen. Wir dürfen problemlos von Land zu Land reisen und Grenzen überschreiten. Vielen Menschen ist das nicht vergönnt, obwohl sie einen triftigen Grund haben. Sie müssen ihre Heimat notgedrungen verlassen und ertrinken dabei teilweise im Mittelmeer. Deswegen haben wir entschieden, Seawatch zu unterstützen.

Euer Spendenziel ist 15.000 Euro. Nach knapp zwei Wochen (08.06.2021) habt ihr 1.470 Kilometer hinter euch gebracht, bisher sind 2.110 Euro zusammengekommen.
Über 2.000 Euro schon? Super, wir waren gar nicht auf dem neuesten Stand. Wir hoffen natürlich sehr, dass das so weitergeht.

Wann ging es denn mit den Vorbereitungen los?
Schon nach der Ukraine-Tour, wir konnten dort wichtige Erfahrungen sammeln. Aber so richtig intensiv wurde es in den letzten drei Monaten, wir mussten dabei auch viel Bürokratie erledigen, Visa besorgen, uns beim Einwohnermeldeamt abmelden ...

Eure Fahrräder stammen aus den 90ern.
Genau, wir haben unsere Flitzer bei “Kette und Kurbel” in Augsburg gekauft, anschließend hat die “Radlkiste” die Bikes noch fit gemacht und daraus qualitativ super Trekkingbikes gezaubert. Die neuen Fahrradmodelle sind gar nicht so praktisch, weil die Rahmen meist aus Alu sind und man sie nicht schweißen kann.

Ihr seid von eurem Elternhaus in Schwaighausen losgeradelt. Gab es dicke Tränen beim Abschied?
Ja, schon. Wir sind über sieben Monate unterwegs und dementsprechend emotional war auch der Abschied von den Eltern, Geschwistern und Freunden. Von elterlicher Seite schwingt natürlich auch etwas Angst mit, denn unsere Tour ist ja alles andere als ein normaler Urlaub und wir übernachten mit unserem kleinen Zelt immer irgendwo unterwegs.

Ihr seid mit einer großen Abenteuerlust, aber auch mit viel Humor gestartet. Wie ist die Stimmung nach den ersten beiden Wochen?
Die ist super, obwohl wir sehr minimalistisch leben! Aber wenn sich nach einigen Stunden auf dem Rad der Unterzucker bemerkbar macht, muss man anhalten, um etwas zu snacken, damit die Laune nicht in den Keller geht. Und das Wetter spielt da natürlich auch eine Rolle. Aber bisher haben wir so viele tolle Menschen kennengelernt und sind immer wieder über die offene und gastfreundliche Art der Menschen überrascht. Gerade in Kroatien wurden wir beinahe täglich zum Essen oder auf einen Kaffee eingeladen.

Wie verläuft denn eure Reise-Route?
Von Deutschland über Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Georgien, Aserbaidschan, Kasachstan und Kirgistan dann hoffentlich nach China. Zurück geht es dann wie erwähnt mit dem Zug durch Russland.

Ihr führt auf Facebook und Instagram ein Tourtagebuch. Das erste Abenteuer habt ihr in Kroatien erlebt. Ihr wärt fast von einem Monster aufgefressen worden.
Das war echt gruselig. Wir lagen nachts in unserem Zelt uns hörten plötzlich ein Knurren, dass immer näher kam. Wir haben mit Schreien versucht, es zu vertreiben, aber da war nichts zu machen und so haben die ganze Nacht kein Auge zugemacht. Bei Sonnenaufgang war das Knurren immer noch zu hören. Wir haben dann eine Zeltstange abmontiert, eine Luke im Zelt geöffnet und damit herumgestochert. Irgendwann hat sich das Monster dann offenbart. Es war ein kleiner, niedlicher Hund. Jetzt lachen wir natürlich herzlich drüber, in diesem Augenblick war uns aber schon sehr mulmig, auch weil man weiß, dass es dort Wölfe und Bären gibt.

Kennt ihr Margot Flügel-Anhalt?
Nein.

Die ist mit 67 Jahren mit dem Motorrad Richtung Himalaya gestartet. Ich habe die Doku über sie im TV gesehen und ihr Abenteuer war auch mit großen Strapazen verbunden. Gerade wenn massive Bergketten zu überwinden sind.
Ja, doch, das haben wir auch gesehen. Auf so einer Reise erlebt man natürlich extreme Temperaturen und Wetterbedingungen. Wir sind entsprechend ausgerüstet, unsere Schlafsäcke, Zelte und Kleidung sind für Minusgrade gerüstet. In der Türkei, wo wir in einigen Tagen sind, erwartet wir in bestimmten Regionen um die 40 Grad. Derzeit fahren wir im Schnitt 100 Kilometer täglich, damit wir nicht zu spät in Zentralasien ankommen. In Kasachstan kann es sehr schnell Winter werden und durch Corona sind wir auch etwas später gestartet.

Was werdet ihr mit euren ganzen Impressionen und Abenteuern machen, wenn ihr wieder in Deutschland seid? Wird es ein Buch oder einen Film geben?
Wir haben uns erst einmal bewusst in dieser Richtung keine Ziele gesetzt. Wir haben zwar alles dabei, also Kameras und Mikrophon, aber wir wollten uns keinen zusätzlichen Stressfaktor aufhalsen. Aber theoretisch ist alles möglich.

Dann gute Reise. Wir sprechen uns in ca. zwei Wochen wieder, wenn ihr Istanbul erreicht habt.
Wir würden uns freuen, wenn uns möglichst viele Leute auf Facebook und Instagram folgen würden. Und noch mehr freuen wir uns über Spenden an Seawatch. Bis Istanbul!


Der Link zur Spendeaktion:
www.sea-watch.org/spenden/aktion/?cfd=xh64l#cff

Rette, rette Fahrradkette bei Facebook und Instagram
www.facebook.com/retterette.fahrradkette
Instagram: rette_rette_fahrradkette

Interview: Walter Sianos
Fotos: Ana und Ida Lutzenberger

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