15.000 km mit dem Rad nach Peking. Teil 5: Von Kasachstan nach Kirgisistan

Rette, rette Fahrradkette, Teil V: Von Kasachstan von Kirgisistan

15.000 Kilometer bis Peking - Rette, rette Fahrradkette. Teil 5: Von Kasachstan nach Kirgisistan.
Die Schwestern Ana und Ida Lutzenberger aus Augsburg radeln und sammeln Spenden für Seawatch!

Vor fünf Monaten sind Ida und Ana Lutzenberger mit den Fahrrädern von ihrem Elternhaus in Schwaighausen Richtung Peking losgezogen, vor ihnen lagen 15.000 Kilometer in sieben Monaten. Aber neben ihrer Abenteuerlust haben die beiden Schwestern und Kunstpädagoginnen mit “Rette, rette, Fahrradkette” auch eine Spendenaktion für die Seerettungsorganisation “Seawatch” ins Leben gerufen. Ida hat in Augsburg studiert und lebt hier seit sechs Jahren. 2020 war sie bei der “Schwabillu” im Glaspalast mit ihren Bildern zu sehen, seit 2016 ist Ida mit ihrer Handpuppe “Graf Schaf” Teil des museumspädagogischen Programms im Gersthofer Ballonmuseum.
Walter Sianos hat die beiden auf ihrer Etappe in Kirgisistan erreicht.

Hallo Mädels. Ist jetzt auch schon eine Weile her, dass wir miteinander telefoniert haben. Wie geht es euch?
Seeeehr gut. Wir sitzen gerade in der Sonne und genießen den Augenblick. Wir haben zurzeit etwas mit plötzlichen Wetterumschwüngen zu kämpfen. Gestern waren wir auf 3000 Höhenmetern und waren plötzlich von Schnee umringt. Danach ging die Fahrt wieder ins Tal und jetzt sitzen wir tatsächlich mit kurzer Hose und T-Shirt da.

Bei unserem letzten Gespräch seid ihr von Tiflis Richtung Aktay in Kasachstan geflogen. Da musstet ihr eure Räder erst einmal in Holzkisten packen. War bestimmt ganz angenehm, mal auf diese Weise vorwärtszukommen.
Nicht wirklich, wir waren sogar traurig, dass wir das Flugzeug für so eine relativ kurze Distanz nehmen mussten. Aber es war die einzige Möglichkeit unsere Reise fortzusetzen, denn die Grenzen um uns herum waren alle dicht und die letzte Option wäre es gewesen umzudrehen.

Ihr hattet im Vorfeld etwas Bammel vor der endlosen kasachischen Steppe. Wie endlos war sie tatsächlich?
In den ersten Tagen war es superschön und aufregend. Die Steppe hat eine faszierende Ausstrahlung, aber irgendwann wurde es dann doch etwas langweilig, tagelang ging es nur in eine Richtung ohne irgendeinen Höhepunkt. Insgesamt sind wir 700 Kilometer durch die Steppe, 500 Kilometer davon ging es nur geradeaus. Die einzige Abwechslung waren Kamele.

Was sich wohl die Kamele gedacht haben, als zwei europäische Farbtöpfe auf Rädern auf sie zurollten?
(lachen) Sie müssen wohl beeindruckt gewesen sein, weil sie sehr zutraulich waren. Gerade anfangs haben wir bei jedem Kamel, dass uns begegnet ist angehalten und haben Fotosessions gemacht. Überhaupt sind diese Vierbeiner sehr entspannte Zeitgenossen.

Wo befindet ihr euch gerade?
In Kirgisistan und nach der Steppe kam der wohl bisher extremste Landschaftswechsel. Das Land scheint nur aus Bergen zu bestehen und die Höhenunterschiede sind immens. Wir pendeln derzeit immer zwischen 2000 und 3000 Höhenmetern, hier sind selbst 7000er Wolkenkratzer keine Seltenheit.

Wird da die Luft schon etwas dünner?
Gestern haben wir in einer Jurte übernachtet und da fiel das Atmen tatsächlich etwas schwerer als sonst.

Trotz spärlich besiedelter Vegetation, an interessanten Begegnungen mangelt es euch trotzdem nicht.
Das stimmt. Nachdem wir einige Tage in der Pampa unterwegs waren sind wir in ein Dorf gekommen. Unsere Vorräte waren schon komplett aufgebraucht und wir haben uns nach einem Lebensmittelladen erkundigt. Ein supernetter Mann mit zwei Kindern hat uns dann aufgenommen und zu sich nach Hause eingeladen. Und obwohl dieses Zuhause aus nur einem Raum bestand, hat man für uns Platz gemacht und uns fürstlich bekocht. Seine Frau hat sogar am nächsten Tag ihre Schicht in der Arbeit getauscht um mit uns den Tag gemeinsam zu verbringen. Wir hatten Glück, denn das Wetter schlug um und die Nächte, die wir in der gemütlichen und warmen Lehmhütte verbrachten, warten bitterkalt.

Apropos Glück. Da war ja noch die Sache mit dem herunterstürzenden Felsbrocken…
Das war wirklich gruselig. Wir mussten wegen eines platten Reifens anhalten und hatte unsere Räder abgestellt und uns gerade entfernt. In diesem Moment kam ein größerer Felsbrocken den Hang heruntergerollt und streifte eines unserer Vorderräder. Wir sind einen Meter danebengestanden und hatten riesiges Glück, dass uns nichts passiert ist. Der Vorderreifen war ziemlich lädiert und die Mittelachse war gebrochen. Wir mussten das Rad den kompletten Pass runterschieben, was eine ziemliche Aktion war. Glücklicherweise konnten wir im nächsten Dorf dann jemand finden, der den Schaden reparieren konnte.

Wie ist denn euer aktuelle Plan, ist Peking überhaupt noch die finale Destination? Und wie lange soll euer Abenteuer noch gehen?
Leider ist die Grenze zu China immer noch dicht und die transsibirische Eisenbahn, mit der wir ja ursprünglich auch wieder zurückwollten, fährt derzeit leider auch nicht mehr. Wir müssen also notgedrungen alle unsere Pläne leider über Bord werfen. Unser nächste Station ist jetzt Usbekistan und dann müssen wir weitersehen. Unser neues Lieblingsziel wäre aktuell der Iran, auch um den Winter und die kalten Temperaturen zu umgehen. Und so wie es aussieht, wollen wir dann auch wieder per Rad die Rückreise antreten.

Wie hoch ist eure Motivation noch?
Total hoch. Wir erleben nach wie vor eine unglaublich schöne und spannende Zeit und Kirgisistan war bisher auch das große Highlight auf dieser Tour. Hier haben wir auch zum ersten Mal gespürt, wie weit wir eigentlich von Zuhause aus weg sind.

Interview: Walter Sianos
Fotos: Ana und Ida Lutzenberger

Die Neue Szene begleitet Ana und Ida redaktionell auf ihrer Reise. Auf unserer Website www.neue-szene.de gibt es monatlich einen aktuellen Lagebericht.

Kilometerstand: 7700 km
Spendenstand: 8285 (30.10.2021)

Der Link zur Spendeaktion:
www.sea-watch.org/spenden/aktion/?cfd=xh64l#cff
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