Teil 2: Istanbul! Mit dem Fahrrad 15.000 Kilometer bis nach Peking

Rette, rette Fahrradkette – 15.000 Kilometer nach Peking. Teil 2 - Istanbul. Die Schwestern Ana und Ida Lutzenberger aus Augsburg radeln und sammeln Spenden für Seawatch!

Ida und Ana Lutzenberger sind Ende Mai mit ihren Fahrrädern von ihrem Elternhaus in Schwaighausen Richtung Peking losgezogen, das sind 15.000 Kilometer in sieben Monaten. Aber neben ihrer Abenteuerlust haben die beiden Schwestern und Kunstpädagoginnen mit ”Rette, rette, Fahrradkette” auch eine Spendenaktion für die Seerettungsorganisation ”Seawatch” ins Leben gerufen. Ida hat in Augsburg studiert und lebt hier seit sechs Jahren. 2020 war sie bei der ”Schwabillu” im Glaspalast mit ihren Bildern zu sehen, seit 2016 ist Ida mit ihrer Handpuppe ”Graf Schaf” Teil des museumspädagogischen Programms im Gersthofer Ballonmuseum.
Walter Sianos hat die beiden auf ihrer Etappe in Istanbul erreicht.

Ana, Ida … Wir haben vor 14 Tagen zuletzt telefoniert, da wart ihr bestens gelaunt in Belgrad. Schlägt das Stimmungsbarometer immer noch ganz nach oben in Richtung 10 aus?
Wir würden sogar sagen eher zu 20! Wir sind in Istanbul angekommen und machen jetzt erst einmal Urlaub vom Urlaub. Wir sind in einem Hostel mit Bett und Dusche in einem wuseligen Stadtviertel abgestiegen und werden es uns eine Woche lang gutgehen lassen und das Leben in der türkischen Metropole in vollen Zügen genießen.

Inzwischen habt ihr knapp 3.000 Kilometer hinter euch. Wie war´s in Rumänien?
Rumänien ist irgendwie eine ganz eigene Nummer, die Leute leben gerade auf dem Land ganz anders, als wir es gewohnt sind, hier wird man noch von Pferdekutschen überholt. Wir sind sehr von der Herzlichkeit und der Gastfreundschaft beeindruckt, obwohl die Menschen selbst ein sehr bescheidenes Leben führen, wurden wir immer wieder zum Essen und zum Übernachten eingeladen.

Und Bulgarien?
Als wir von Rumänien die Grenze mit einer Donaufähre überqueren wollten, hat uns der bulgarische Grenzbeamte aus unerklärlichen Gründen nicht einreisen lassen. Wir mussten daraufhin einen Umweg von 100 Kilometern in Kauf nehmen. Noch dazu hat es die nächsten Tage auch noch durchgeregnet und unser Outdoorequipment hat sich auch nicht gerade als wasserdicht erwiesen. Da war die Stimmung erstmals so richtig im Keller.

War da nicht was mit einem Galadinner mit iranischen Fernfahrern?
Auf der Fähre zurück nach Rumänien waren einige iranische Trucker an Bord, die uns mit Kaffee und Keksen getröstet haben. Als wir wieder an Land waren, gab es auch noch ein üppiges und leckeres iranisches Abendessen. In Nachhinein war es einer der lustigsten Begegnungen, die wir bisher hatten.

Wenn man euer Tourtagebuch bei Facebook liest, dann berichtet ihr über viele schöne Begegnungen mit anderen Menschen. Ist die Welt doch besser, als uns das die Nachrichten immer verkaufen?
Auf jeden Fall, der Mensch ist leider oft so gestrickt, dass er Angst vor Dingen hat, die er nicht kennt, die Medien präsentieren auch leider oft ein negatives Bild von unserer Welt. Wir erfahren auf unserer Reise genau das Gegenteil, die Leute präsentieren sich offen und hilfsbereit. Manchmal haben wir deshalb auch ein schlechtes Gewissen, weil gerade diese Menschen in unseren Breitengraden nicht so freundlich behandelt werden.

Auf eurem Trip sammelt ihr auch Spenden für “Seawatch”. Gerade auf eurer Route sind auch Asylsuchende in die andere Richtung unterwegs, die gezwungen sind, ihr Land zu verlassen und die nicht so freundlich empfangen werden wie ihr.
Das stimmt leider, wir wissen, dass man zu uns so nett ist, weil wir aus Deutschland kommen, wir haben in mehreren Gesprächen mitbekommen, dass man gegenüber Flüchtenden aus fernöstlichen Ländern nicht so positiv eingestellt ist. Und gerade diese Menschen haben doch Gastfreundschaft viel nötiger als wir. Krass war es, als wir an der türkischen Grenze diese meterhohen Mauern gesehen haben. Das stimmt einen schon traurig.

In Kroatien hattet ihr eine Begegnung mit einem Monster, das sich am nächsten Tag als kleiner Hund entpuppt hat. Habt ihr inzwischen ähnliche Abenteuer erlebt?
Jedenfalls keine so gruseligen mehr (lachen). Wir erleben viele spontane, kleine und witzige Aktionen. In Bulgarien haben wir eine Deutsche kennengelernt, die dort gerade ein Praktikum absolviert und über das Internet von unserer Aktion mitbekommen hat. Als wir durch die Stadt Russe geradelt waren, sind wir zufällig direkt vor ihrer Nase vorbeigefahren. Das muss man sich mal vorstellen. Sie hat uns gleich zu sich eingeladen und wir hatten zusammen einen supernetten Abend.

So eine Tour nagt natürlich an Mensch und Maschine. Hattet ihr schon irgendwelche Pannen?
Uns ist die Kette gerissen, aber das konnten wir selber reparieren. Ansonsten sind wir überrascht, dass wir bisher noch keinen Platten hatten. Stopp … ich muss gleich mal auf Holz klopfen (lacht). Wir haben gestern hier in Istanbul unsere Räder in einem Laden abgegeben, da wird nochmal alles durchgecheckt.

Ihr habt euch akribisch auf dieses Abenteuer vorbereitet. Was hat euch dennoch am meisten überrascht?
Wir waren in der Vergangenheit schon öfter auf dem Balkan unterwegs, deshalb ist die große Überraschung bisher ausgeblieben, aber wir sind gespannt, was jetzt noch alles kommt.

Verglichen mit dem was kommt, war das bisher aber eher ein leichter Aufgalopp, oder?
Ja voll. Wir haben uns, warum auch immer, die Türkei als superflaches Land vorgestellt, das vom Meer umgeben ist. Zu unserer Überraschung gibt es hier viele Berge mit gewaltigen Höhenunterschieden. Zudem ist es hier schon sehr heiß, der Asphalt fängt auf den Straßen schon zu schmelzen an. Vor uns liegen jetzt knapp 2.000 Kilometer bis zur nächsten Grenze. Bisher sind wir immer so an die 100 Kilometer pro Tag geradelt, das wird sich in den nächsten Wochen sicher reduzieren.

Wenn man fast 100 Kilometer täglich radelt, wie kompensiert man den Kalorienverbrauch?
Mit viel Kuchen und Süßigkeiten (lachen). Das Gute ist, dass wir viel Essen dürfen und hier in der Türkei gibt es selbst in den kleinsten Dörfern an jeder Ecke die leckersten Sachen. Wir genießen das und gönnen uns auch schon mal zum Frühstück ein dickes Mittagsmenü.

Na dann noch viel Spaß in Istanbul. Wir sprechen uns in circa zwei Wochen wieder.
Bis bald und Grüße an alle Augsburger!

Kilometerstand: 2.800, Spendenstand: 3.045 Euro!

Der Link zur Spendeaktion:
www.sea-watch.org/spenden/aktion/?cfd=xh64l#cff

Rette, rette Fahrradkette bei Facebook und Instagram
www.facebook.com/retterette.fahrradkette
Instagram: rette_rette_fahrradkette
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Interview: Walter Sianos
Fotos: Ana und Ida Lutzenberger

TEIL 1 ZUM NACHLESEN:
www.neue-szene.de/magazin/news/mit-dem-fahrrad-15000-kilometer-bis-nach-peking

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