Rette, rette Fahrradkette: Unterwegs in Zentralasien. Teil 7: Das Iran-Visum

Rette, rette Fahrradkette - 15.000 Kilometer bis Peking. Die Schwestern Ana und Ida Lutzenberger aus Augsburg radeln und sammeln Spenden für Seawatch!

Vor sieben Monaten sind Ida und Ana Lutzenberger mit den Fahrrädern von ihrem Elternhaus in Schwaighausen Richtung Peking losgezogen, vor ihnen lagen 15.000 Kilometer in sieben Monaten. Doch Corona hat der Reiseroute einen Strich durch die Rechnung gemacht. Neben ihrer Abenteuerlust haben die beiden Schwestern und Kunstpädagoginnen mit ”Rette, rette, Fahrradkette” auch eine Spendenaktion für die Seerettungsorganisation ”Seawatch” ins Leben gerufen. Ida hat in Augsburg studiert und lebt hier seit sechs Jahren. 2020 war sie bei der ”Schwabillu” im Glaspalast mit ihren Bildern zu sehen, seit 2016 ist Ida mit ihrer Handpuppe ”Graf Schaf” Teil des museumspädagogischen Programms im Gersthofer Ballonmuseum.
Walter Sianos hat die beiden auf ihrer Etappe in der usbekischen Stadt Andijon gesprochen.

Nicht zu glauben, es ist wie ausgemacht auf den Schlag 13.00 Uhr.
(Lachen) Eigentlich wollten wir schon früher anrufen, weil wir gerade Zeit hatten, aber dann haben wir letztendlich doch bis zum vereinbarten Termin gewartet. Normalerweise kommen wir inzwischen hier zu irgendwelchen Dates immer superspät …

Zuerst wünsche ich euch ein gutes, neues Jahr! Wie habt ihr denn Weihnachten verbracht?
Wir sind wieder in der Stadt Andijon, wo wir bei unserem deutschen Professoren-Freund Jochen untergekommen sind. Wir haben in dem uns zur Verfügung gestellten Appartement zusammen mit ihm, einer deutschen Studentin und einem usbekischen Freund gefeiert. Es gab Burger, wir hatten einen kleinen Christbaum, haben Weihnachtslieder gesungen und es gab auch eine Bescherung. Es war richtig schön und gemütlich.

Und Silvester?
Das wird hier ganz anders gefeiert als bei uns. Eher besinnlich, in der Familie und mit Geschenken. Wir waren bei zwei Familien eingeladen und später gab es in unserem Appartement noch eine kleine Sause, wo sich Leute aus allen Ecken der Welt versammelten.

Wird da auch feucht-fröhlich mit Alkohol gefeiert?
Das ist ganz unterschiedlich, es gibt Leute, die gar nicht feiern, andere feiern aus religiösen Gründen ohne Alkohol und andere dagegen ganz ausgelassen.

Ihr seid jetzt ganz schön lange in Usbekistan.
Notgedrungen, weil wir immer noch auf unser Visum in den Iran warten. Wir sind inzwischen einmal durch das ganze Land gereist, durch die Steppe bis nach Khiva und dann wieder zurück. Unsere Räder haben wir in der Hauptstadt Taschkent abgestellt und hoffen jetzt, dass die Reise bald weitergeht.

Ihr seid also derzeit quasi zum Nichtstun verdammt.
Kann man so sagen, aber das ist auch mal ganz angenehm. Wir treffen viele Leute und tun Dinge, die wir aus unserem Alltag in Deutschland kennen. Ganz schwer angesagt ist bei uns derzeit Rollerdisco.

Rollerdisco? Cool! Wie ist denn das Wetter so bei euch?
Es ist kalt und trocken, tagsüber klettern die Temperaturen kaum über null Grad.

Ihr wollt jetzt aber nicht in Usbekistan überwintern, oder?
Das hoffen wir jetzt mal nicht. Wenn wir unser erhofftes Visum bekommen, würden wir über Taschkent nach Teheran fliegen und von dort aus dann langsam aber sicher wieder die Reise nach Hause antreten.

Und im worst case?
Dieses Szenario verdrängen wir ganz gerne, aber ein Land, das uns reizt ist Pakistan. Dort braucht man zwar auch ein Visum, aber das würden wir ziemlich schnell bekommen.

In einigen europäischen Ländern verbreitet sich die Corona-Mutante Omikron rasend schnell. Wie ist denn die Situation in Usbekistan?
Man bekommt im Alltag kaum etwas mit und von dieser neuen Variante sowieso nicht. Es gibt hier kaum Regeln und kaum jemand trägt eine Maske. Man muss aber auch dazu sagen, dass die erste Coronawelle hier sehr gewütet hat und extrem viele Menschen gestorben sind.

Was mir aufgefallen ist … euer Outfit hat sich geändert. Die zwei radelnden Farbtöpfe haben sich in orientalische Prinzessinnen verwandelt.
Oh, das hast du jetzt aber schön formuliert (lachen). Hier gibt es so schöne Chapan-Mäntel. Die sind aus Baumwolle, die gibt es in den schönsten Mustern und superbequem sind sie auch noch. Wir hatten uns eigentlich vorgenommen, nicht groß einzukaufen, aber wenn man so viel Zeit hat, dann kommt man natürlich in Versuchung. Mal schauen, wie wir unsere Shoppingartikel dann nach Hause verfrachten.

Was braucht ihr denn monatlich an Geld, um über die Runden zu kommen?
Wir haben das Glück, dass wir keine Miete bezahlen müssen. Derzeit geben wir so zwischen drei und fünf Euro täglich aus, man kann also mit hundert Euro pro Person im Monat gut auskommen. Da wir derzeit aber oft in der Rollerdisco abhängen, brauchen wir etwas mehr Geld.

Ihr habt inzwischen 10.900 Euro für Seawatch gesammelt, es fehlen also zum gesteckten Ziel noch 4.100 Euro. Die Spendenaktion endet am 08.05.22. Ist das etwa ein Indiz eurer Rückkehr?
Wir haben damals ein beliebiges Datum gewählt, unsere Reise war ja auf sieben Monate ausgelegt. Die sind ja inzwischen vorbei und wir haben noch nicht mal die Rückreise angetreten. Aber der Mai ist schon ein realistisches Ziel, dann wären wir ein Jahr unterwegs gewesen.

Seid ihr eigentlich informiert, was in der großen, weiten Welt so läuft oder blendet ihr bewusst alles um euch herum aus?
Wenn wir mit der Heimat telefonieren kriegen wir zwangsläufig immer etwas mit, ansonsten ist es aber auch schön, nicht immer alles mitzubekommen. Wir genießen es, in unserer eigenen, etwas heileren Welt zu leben.

Was wünscht ihr euch für 2022?
Dass alles mit dem Iran klappt und wir so langsam unsere Räder wieder in Richtung Heimat steuern.

Wie wäre eure Wunschroute back home?
Von Teheran aus in Richtung Türkei und dort entlang der Südküste. Von da vielleicht nach Griechenland und dann mit der Fähre nach Italien.

Griechenland? Un-be-dingt!
Aha, da kommt der Grieche durch. Mal schauen, das hängt auch von der Coronasituation ab.

Interview: Walter Sianos
Fotos: Ana und Ida Lutzenberger

Die Neue Szene begleitet Ana und Ida redaktionell auf ihrer Reise. Auf unserer Website www.neue-szene.de gibt es monatlich einen aktuellen Lagebericht.
Kilometerstand: 8733 km
Spendenstand: 10.900 (05.01.2022)

Der Link zur Spendeaktion:
www.sea-watch.org/spenden/aktion/?cfd=xh64l#cff
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